Monday, September 19, 2011

Bundesliga 1976 1977 Borussia Mönchengladbach Bayern München

Day 18
11 December 1976
Bökelberg Stadion,
Mönchengladbach

Referee: Roth
Attendance: 34 500


 Berti Vogts prophezeite: "Wenn nichts dazwischenkommt, feiern wir irn März die Meisterschaft." Aber es kam allerhand dazwischen. Erst wurde Berti Vogts an der Leiste operiert. Prompt gab es die erste Niederlage - in Hamburg gegen den HSV mit 1:4. Das Fehlen von Berti, dem Kapitän, hatte die Borussen konfus gemacht. Keine Ordnung, kein System. Die Borussen spielten in Hamburg wie eine Schüler-Mannschaft: alle auf einem Haufen. Als der HSV gewonnen hatte, sagte Georg Volkert: ,,So leicht habe ich es als Stürmer noch nie gehabt." Eine Woche später kam auch Jupp Heynckes unters Messer. Meniskusoperation. Zuerst der beste Abwehrspieler, jetzt der beste Stürmer. Das Chaos war vollkommen. 0:4-Niederlage in Karlsruhe -gegen den späteren Absteiger. Kein Berti Vogts -die Abwehr war offen wie ein Scheunentor. Kein Jupp Heynckes — Borussen-Tore wurden Mangelware. Mit Heynckes hatten die Borussen in 14 Spielen 32 Tore (davon Heynckes 14) geschossen, ohne Heynckes kamen sie in 14 Spielen auf elf Treffer. Das sagt alles und beweist vieles. Das zeigt aber vor allem: Jede Klassemannschaft ist auf ein, zwei Klassespieler angewiesen. Bayern München ohne Beckenbauer und Maier? Kein Problem für den Gegner. Diese fünfte Meisterschaft wurde unter Palmen und Sonne in Santo Domingo in der Karibik geschmiedet. Als Berti Vogts 1976 las:"Das war Gladbachs letzte Meisterschaft", reagierte er so: „Wenn wir jetzt Meister werden, dann können wir alle stolz sein. Das ist eine Herausforderung für alle." Er hämmerte es allen ein. Doch nach dem fünften Titelgewinn gab Berti auch zu: „Den Schönheitspreis haben wir nicht gewonnen..."

Die ersten Pleiten gab es gleich zu Beginn der Saison. Die Vorbereitungen auf der Amerikareise hatten sich als katastrophal erwiesen. Nur 1:1 im ersten Spiel gegen den MSV Duisburg. Dann ein 0:5 gegen die französische Nationalmannschaft in Paris. Kein Tempo, keine Begeisterung. Zwar rollten in der Bundesliga die Punkte, aber nicht der Ball. Die Fans sahen eine matte, müde Borussia. Keine Frage: Borussia steckte in der Krise. Vor allem nach dem Pokal-Knockout in der ersten Runde gegen Braunschweig auf eigenem Platz und der Europapokalpleite von Wien (0:1) gärte es. Sogar Udos Stuhl wackelte etwas. Aber: man sagte sich die Meinung vor dem Spiel in Kaiserslautern, und zwar kräftig. Niemand wurde geschont. Nach dem reinigenden Gewitter gab es einen 2:1-Sieg in Kaiserslautern. Was wichtiger war: Die Borussen hatten erstmals wieder modernen, frischen Fußball gespielt. Mit Schwung aus der Abwehr heraus. Es kam noch etwas hinzu, was den Ehrgeiz der Borussen anstachelte: Hennes Weisweiler, der Ex-Chef, hatte mit dem 1. FC Köln einen sagenhaften Start: 10:0 Punkte. In Deutschland sprach man nurnochvom 1. FCKöln. Das forderte heraus: „Wir wollen ihm beweisen, daß wir immer noch besser sind", sagten die meisten Gladbacher. Zumal Hennes Weisweiler seinem Lieblingsspieler Berti Vogts anvertraut hatte: „Was ihr spielt, das ist alter, unmoderner Fußball. So spielt man nicht mehr." Selten wurde Hennes Weisweiler so hart bestraft. Am 6. November sahen 60 000 Zuschauer in Köln Super-Fußball. Nicht die Kölner zogen die Show ab, sondern die Borussen. Alle Mann hinten, alle nach vorne - so, wie sie es von Lehrmeister Hennes gelernt hatten. Es war das beste Spiel der Gladbacher in dieser  Meistersaison. Mit verwirrenden Kombinationen, mit dem richtigen Tempowechsel, mit dem Erkennen der Schwächen des Gegners.
Und diese Schwächen hatte ausgerechnet Hennes Weisweiler geliefert. Zwei Offensiv-Verteidiger (Gerber und Glowacz) gegen zwei Super-Stürmer (Heynckes und Simonsen), zwei offensive Liberos (Weber und Cullmann), dazu zwei Mittelfeldspieler (Flohe und Overath), die nicht deckten. Das mußte gegen die Borussen ins Auge gehen. Weisweiler suchte ein Opfer und fand Overath. Nach der Niederlage gegen Gladbach war der Weltmeister passe.


Doch danach ging es auch mit den Borussen bergab. Erst wurde Vogts operiert, dann Heynckes. Der Vorsprung von fünf Punkten schmolz dahin wie Schnee in der Sonne. Die Bundesliga jubelte, als Gladbach und Braunschweig plötzlich gleichauf standen. Udo Lattek hatte schon vorher gewarnt: „Fünf Punkte sind schnell weg." Überall wurde gerechnet. In Schalke (Klaus Fischer: „Wir werden Meister"), in Braunschweig ebenso (Torwart Bernd Franke: „Das Torverhältnis entscheidet"). Doch Berti Vogts rechnete am besten: „Wir werden mit einem Punkt Vorsprung Meister vor Schalke." Er sagte es nach den Pleiten gegen Frankfurt (1:3), Schalke (0:1), Braunschweig (l: 1). Er sagte es trotz einiger Unstimmigkeiten bei den Borussen. Die Spieler hatten nämlich gemeutert: "Das Training von Lattek ist zu eintönig. Wir müssen gezielter trainieren." Udo Lattek konterte:"Dasselbe Training, das ich nach Siegen mache, ist nach Niederlagen auf einmal falsch. Da stimmt doch was nicht." Dennoch änderte Lattek sein Training. Die Spieler machten begeistert mit - es war jaihre" Idee. 

 Daß Gladbach so lange zittern mußte, hatte eine ganze Reihe von Gründen. Da war erst die falsche Vorbereitung mit einer Reise in die USA, in die Karibik und nach Kanada. Geschlaucht von 30 000 Kilometer Flug und der Hitze kehrten die Borussen zurück. Zu den Fehlern gehörte auch die falsche Einkaufspolitik. Henning Jensen, der Mittelstür-mer> wurde verkauft, doch für ihn holte man keinen annähernd gleichwertigen Ersatz. Das Ergebnis dieser Spieler-Politik ist niederschmetternd: In zehn Spielen schössen die Borussen nur ein Tor; in acht Spielen gingen sie leer aus. 58 Treffer in 34 Spielen — so wenig Tore hatte seit zehn Jahren kein Meister mehr erzielt. „Ich kann mir doch keinen Torjäger aus den Rippen schneiden", zürnte Lattek. Zu den vielen Ursachen der Misere gehörte aber auch das Verletzungspech. Dietmar Danner war nur in drei Spielen dabei. Vogts fehlte drei Monate. Heynckes mußte sein Comeback nach zwei Versuchen abbrechen und war erst am letzten Spieltag wieder verfügbar. Und wie wichtig Heynckes für die Borussen ist, das bewies er mit seinem Tor in München. Dann fiel Stielike, der wuchtige, dynamische Nationalspieler, mehrmals wegen einer Zerrung aus. Udo Lattek hatte bestimmt recht, wenn er sagte: „Wenn bei den anderen jemand verletzt ist, wird großes Theater gemacht, bei uns ist es fast selbstverständlich, daß wir in manchen Spielen fünf Stammspieler ersetzen mußten."

Dennoch füllten die Borussen die Stadien und Kassen ihrer Rivalen. Ausverkauft in München, Köln, Hamburg, Schalke, in Frankfurt, bei Hertha, in Kaiserslautern, Bremen, Dortmund, Saarbrük-ken, Karlsruhe, Bochum und in Braunschweig. Wenig Tore, wenig Klasse, dennoch stimmte bei den Gladbachern auch zu Hause die Kasse: Im Durchschnitt kamen fast 3000 Zuschauer mehr als im Jahr davor. Manager Grashoff glaubt deshalb: „Die Leute wollen den Nervenkitzel haben, Tore haben sie bei uns schon genug gesehen." Die großen Spiele der Borussen 76/77 sind an einer Hand aufgezählt. Nummer l das 3:0 in Köln gegen den 1. FC. Nummer 2 das 3: l in Frankfurt gegen die Eintracht. Nr. 3 das 2:0 gegen Schalke, Nr. 4 das 1:0 gegen Bayern, Nr. 5 das 2:1 in Kaiserslautern. Nur in zwei Punkten führen die Gladbacher die Bestenliste der Statistik an: 27mal standen sie an der Spitze; sie kassierten die wenigsten Gegentreffer—nur 34. An der Zahl der geschossenen und eingesteckten Tore macht sich der Trainer-Wechsel (Lattek statt Weisweiler) am besten bemerkbar. Sicherheit statt Angriff. Aber Meister wurden die Borussen trotz anderer Taktik. Die Meisterschaftsentscheidung fiel sicherlich in den beiden Spielen gegen den alten Rivalen Bayern München. Das 1:0 (Torschütze Simonsen) in Mön-chengladbach war ein Sieg durch letzten, hingebungsvollen Einsatz. Berti Vogts saß am 11. Dezember 1976 auf der Bank und dirigierte lautstark die Abwehr. Als der Schlußpfiff kam, umarmte Vogts den kleinen Dänen Simonsen: „Jetzt werden wir doch Meister." Es wurde noch ein langer, bitterer Weg bis zum 21. Mai 1977 in München. Heynckes und Stielike, die erstmals nach einer Verletzungspause wieder spielten, schössen genau die Tore, die zum 2:2 und zum Meisterpunkt reichten. Erstmals komplett, demonstrierten die Gladbacher endlich wieder schönen Fußball. Auf den ersten Sieg in München müssen die Borussen aber weiter warten, denn in der letzten Minute fabrizierte Jürgen Wittkamp ein Eigentor zum Unentschieden. An diesen Punkt hatte wohl auch der DFB geglaubt, denn Vize-Präsident Otto Andres hatte die Meisterschale vorsorglich mit nach München gebracht. Als Berti Vogts um 20:06 Uhr im Münchner Hotel den Meisterteller hochhielt, sagte er nachdenklich:"Ich glaube, es ist das letzte Mal." Der Ruhm des fünften Titels wurde den Borussen mit 15 000 DM Prämie versüßt.



 
Monchengladbach: Kneib. Klinkhammer, Wohlers, Schaffet-, Bonhof. Kulik. Wimmer, Stielike (79. Hingels), Simonsen, Koppel, Hannes.
Bayern: Maier, Andersson, Beckenbauer, Schwarzenbeck, Horsmann, Dürnberger, Torstensson, Kapellmann. Rummenigge. Müller, Hoeneß(73. Roth).

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